HeuteWochenendekompl. Programm

Stranger than Fiction

Dokumentarfilmfestival 'Stranger Than Fiction' im Brühler ZOOM Kino

Liebe Freunde und Freundinnen des guten Dokumentarfilms, noch steht der genaue Termin nicht fest, aber wenn wir das Kino wieder öffnen, wird einer der ersten Schwerpunkte die neue Ausgabe vom STRANGER THAN FICTION Festival sein. Die nunmehr 23. Ausgabe. Ein weiteres spannendes Jahr für Dokumentarfilme liegt hinter uns, und wir freuen uns sehr, aus der Vielzahl und Vielfalt des dokumentarischen Schaffens des Jahrgangs 2020 eine kleine Auswahl bei der 23. Ausgabe von STRANGER THAN FICTION präsentieren zu können. Wie jedes Jahr soll STRANGER THAN FICTION eine Einladung sein, sich jenseits des aktuellen Kinoangebotes und der themenorientierten Wahl des Filmbesuches auf neue Filme und unbekanntes Terrain einzulassen. Die Filme die wir in der Woche zeigen finden Sie hier, wann genau sie laufen erfahren Sie in Kürze hier.

CAUGHT IN THE NET
CZ/SK/CH 2020 • 100‘ • OV mit dt. UT • Regie: Barbora Chalupová, Vít Klusák
Es reicht nur ein Klick: Jugendliche sind in den digitalen Medien täglich der massiven Bedrohung durch Cybergrooming ausgesetzt. Erwachsene Männer nutzen dabei die Naivität, die Unwissenheit oder Unerfahrenheit von jungen Menschen im Netz schamlos aus. GEFANGEN IM NETZ dokumentiert in eindringlichen Bildern, was nahezu überall auf der Welt passiert. GEFANGEN IM NETZ ist ein filmisches Experiment, das ein Schlaglicht auf das Tabuthema Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Netz wirft: Drei volljährige Darstellerinnen, drei Kinderzimmer, 10 Tage und 2.458 Männer mit eindeutigen Absichten. Die drei sehr mädchenhaft aussehenden Akteurinnen, die sich im Netz mit fiktiven Profilen als 12-Jährige ausgeben, chatten aus sorgfältig nachgebauten ‚Kinderzimmern’ in einem Filmstudio mit Männern aller Altersgruppen. Die „Mädchen“ wurden von den Männern online aufgespürt und kontaktiert. Die meisten der Männer fragen nach Sex am Bildschirm und schicken explizite Fotos oder Links zu Pornoseiten. Einige versuchen, die Mädchen zu erpressen. Der Film erzählt fesselnd das Drama der drei Darstellerinnen vom Casting über die ersten Kontakte bis zu den Treffen mit den Männern. Sechs Kameras drehen die Ereignisse mit; die Dreharbeiten werden juristisch und psychologisch umfassend betreut und begleitet. Die Täter werden mit ihren eigenen Waffen verfolgt, so werden aus den Jägern Gejagte. Ein Film, der aufrüttelt!

GARAGENVOLK
D 2020 • 95‘ • OV mit dt. UT • Regie: Natalija Yefimkina
Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

MR. JIMMY
USA/JP 2019 • 113‘ • OV m. engl. UT • Regie: Peter Michael Dowd
Es gibt Fans, große Fans und dann ist da noch Akio Sakurai. Seit der japanische Gitarrist als Teenager 'The Song Remains the Same' gesehen hat, ist er von einer Faszination für Led Zeppelin ergriffen. Er kennt nicht nur alle Variationen, die die britische Rockgruppe live gespielt hat, er kann sie auch bis ins kleinste Detail reproduzieren. Als Hommage an den Gitarristen Jimmy Page tritt Sakurai in Japan seit Jahrzehnten als Mr. Jimmy auf. Er erweist sich als so gut, dass sogar der echte Page kommt, um ihm bei einem Auftritt zu applaudieren. Und dann geht es erst richtig los. Imitation ist eine Kunstform in diesem Film über einen fast wahnsinnigen Drang zur Perfektion. Besonders interessant wird es, als Sakurai andere Meister-Imitatoren um sich schart. Denn wen kopieren sie eigentlich, Led Zeppelin oder den japanischen Perfektionisten, der sie begleitet? „Es ist...gerade die Geschmeidigkeit von Sakurais Leidenschaft – demütig zu dem Gott zu werden, den er anbetet – die immer wieder fesselt.„ Hollywood Reporter 'Irgendein Verleiher muss das sofort aufgreifen.' Rolling Stone

DER MANN MIT DER KAMERA
UdSSR 1929 • 68‘ • Regie: Dsiga Wertow
Der Film zeigt den Tag in einer sowjetischen Großstadt (gedreht wurde in Kiew, Moskau und Odessa), beginnend mit den Aktivitäten im öffentlichen Raum, parallel dazu im privaten Bereich. Die schnell geschnittenen Szenen decken den gesamten Zeitraum der Ereignisse des öffentlichen Lebens und der Arbeitswirklichkeit des Einzelnen während eines Tages ab bis zum Abend, wenn das geschäftige Treiben sich verlangsamt und für den Durchschnittsmenschen der Feierabend mit seinen Freizeitaktivitäten beginnt und erstrecken sich bis auf die Vergnügungen der hereinbrechenden Nacht. Teil vieler Szenen ist dabei ein filmender Reporter. Daneben werden auch Wendepunkte des menschlichen Daseins – Hochzeit, Scheidung, Geburt, Tod – schlaglichtartig eingeblendet.

HELGA – Die Frau mit den zwei Gesichtern
D 2020 • 90‘ • Regie: Oliver Schwabe
Das anrührende Porträt einer außergewöhnlichen Frau: Als »Ulknudel« wurde Helga Feddersen in den 1960er Jahren weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt. Doch jenseits ihrer schrillen Auftritte, unterstrichen durch eine unverwechselbare Physiognomie, die zugleich ihr Markenzeichen wie ihr Fluch war, besaß Helga Feddersen eine andere Seite: die einer vom Leben gebeutelten, verletzlichen Außenseiterin mit kreativem Talent und der Größe, ihre Rolle als Spaßmacherin illusionslos zu reflektieren. Unter Einbeziehung prominenter Freunde und Kollegen Helga Feddersens zeichnet Oliver Schwabe das Porträt einer komplexen Persönlichkeit, die als Überlebenskünstlerin stets ihr bestes gab.

HALDERN POP – Dorf mit Festival
D 2020 • 85‘ • Regie: Monika Pirch
Haldern am Niederrhein, 5000 Einwohner, 3 Kneipen, eine Bahnhaltstelle und ein international gefeiertes Musikfestival. „Wir waren 14 Messdiener und wollten unsere eigene Party“, sagt Stefan Reichmann, künstlerischer Leiter des Haldern Pop Festivals. Und auch 35 Jahre später bauen mehr als 400 Menschen aus dem Dorf alljährlich im August das Haldern Pop Festival auf und tun während der drei Festivaltage einfach alles, um für 7000 BesucherInnen das beste Open-Air-Musikprogramm des Sommers zu präsentieren. Preisgekröntes Booking und selbst verlegtes WLAN gehen hier Hand in Hand. Tickets sind schwer zu bekommen. Während in den Städten der individuelle Lebensentwurf das Maß aller Dinge ist, setzen in Haldern viele Menschen auf Gemeinschaftssinn. Und der hat hier meistens mit Musik zu tun. Es muss gar nicht unbedingt das Festival sein, denn auch Blasmusik und Chorsingen werden mit Liebe und Begeisterung praktiziert. Die Beziehungen zur Musik sind also individuell sehr verschieden, so wie die Rollen und Aufgaben, die gebraucht werden, um das Dorfleben lebendig zu halten. In diesem Kosmos den richtigen Platz zu finden – das ist die eigentliche Herausforderung.' (Hofer Filmtage)

PARIS – KEIN TAG OHNE DICH
D 2020 • 104‘ • OV m. Ut. • Regie: Ulrike Schaz 'PARIS kein Tag ohne dich' ist autobiographisch und die Inventur einer absurden Geschichte, die einen Blick auf eine Zeit öffnet, in der Staaten und Geheimdienste begannen, mittels Datenspeicherung internationalen Terrorismus zu bekämpfen. Was geschieht mit denen, die ins Räderwerk dieser Terrorismusfahndung und in das System internationaler Datenspeicherung geraten? Paris 1975. Ulrike Schaz erlebt in der Stadt ihrer Träume den Albtraum ihres Lebens. Weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort ist, gilt sie plötzlich weltweit als Terroristin, Komplizin von Carlos, dem „Schakal“. Jahre später trifft sie ihre Freunde von damals wieder. Eine künstlerisch-essayistische Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse beginnt. Deutsch-französische Geschichte, atemberaubend spannend.